Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden während einer Schwangerschaft. Viele Frauen machen sich Sorgen, wenn plötzlich der untere Rücken schmerzt oder die Schmerzen bis ins Gesäß oder Bein ausstrahlen. Schnell fällt dann der Begriff „Ischias".
Als Frauenarzt kann ich Sie zunächst beruhigen: Die meisten Rückenschmerzen in der Schwangerschaft sind zwar unangenehm, aber harmlos. Eine echte Reizung des Ischiasnervs kommt deutlich seltener vor, als viele vermuten.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum Rückenschmerzen entstehen, wie Sie zwischen normalen Schwangerschaftsbeschwerden und einer Ischialgie unterscheiden können und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Während der Schwangerschaft verändert sich Ihr Körper ständig.
Bereits in den ersten Wochen sorgen hormonelle Veränderungen dafür, dass Bänder und Gelenke lockerer werden. Das ist wichtig, damit sich das Becken später auf die Geburt vorbereiten kann. Gleichzeitig verliert der Bewegungsapparat dadurch etwas an Stabilität.
Mit zunehmender Schwangerschaft kommen weitere Faktoren hinzu:
Gerade im letzten Schwangerschaftsdrittel treten Rückenschmerzen deshalb besonders häufig auf.
Viele Schmerzen im unteren Rücken werden als „Ischias" bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich jedoch häufig um muskuläre Verspannungen oder Beschwerden im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG).
Eine echte Ischialgie tritt in der Schwangerschaft vergleichsweise selten auf.
Typisch Ischialgie
Normale Rückenschmerzen
Außerhalb der Schwangerschaft werden Ischiasschmerzen häufig durch einen Bandscheibenvorfall verursacht. Während der Schwangerschaft spielen dagegen meist andere Ursachen eine Rolle.
Nicht immer ist der Ischiasnerv selbst betroffen.
In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen gut lindern.
Bewährt haben sich insbesondere:
Wichtig ist, möglichst nicht dauerhaft in Schonhaltung zu verharren. Leichte Bewegung unterstützt die Muskulatur und kann Schmerzen häufig reduzieren.
Viele Schwangere empfinden Wärme als angenehm.
Geeignet sind beispielsweise:
Die Wärme kann verspannte Muskeln lockern und die Beschwerden lindern.
Auch im Alltag lässt sich der Rücken entlasten.
Je größer der Babybauch wird, desto wichtiger werden kleine Entlastungen im Alltag.
Rückenschmerzen sind meist harmlos. Es gibt jedoch Warnzeichen, bei denen Sie sich zeitnah untersuchen lassen sollten:
Diese Beschwerden sollten unabhängig von der Schwangerschaft immer ärztlich abgeklärt werden.
Viele Frauen bemerken bereits wenige Wochen nach der Geburt eine deutliche Besserung.
Mit der Rückbildung normalisieren sich Körperhaltung und Belastung der Wirbelsäule allmählich wieder.
Gezielte Rückbildungsgymnastik und ein langsamer Muskelaufbau können zusätzlich helfen, langfristigen Rückenbeschwerden vorzubeugen.
Rückenschmerzen gehören für viele Frauen leider zur Schwangerschaft dazu. Die gute Nachricht ist jedoch: In den allermeisten Fällen steckt keine ernsthafte Erkrankung dahinter.
Regelmäßige Bewegung, gezielte Entlastung und eine gute Schwangerschaftsbetreuung helfen häufig dabei, die Beschwerden deutlich zu lindern.
Sollten die Schmerzen ungewöhnlich stark werden oder mit weiteren Beschwerden wie Blutungen, Fieber oder Taubheitsgefühlen einhergehen, empfehle ich Ihnen, sich zeitnah untersuchen zu lassen. So können ernsthafte Ursachen ausgeschlossen und die passende Behandlung eingeleitet werden.
Ja. Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden und entstehen meist durch hormonelle Veränderungen sowie die zunehmende Belastung der Wirbelsäule.
Typisch sind einseitige Schmerzen, die vom unteren Rücken über das Gesäß bis ins Bein ausstrahlen und gelegentlich mit Kribbeln oder Taubheitsgefühlen verbunden sind.
Regelmäßige Bewegung, Wärme, Physiotherapie, Schwangerschaftsgymnastik und eine entlastende Schlafposition können die Beschwerden häufig lindern.
Wenn starke Schmerzen plötzlich auftreten, mit Blutungen, Fieber, Taubheitsgefühlen, Lähmungen oder Problemen beim Wasserlassen verbunden sind oder Sie sich allgemein unsicher fühlen, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Über den Autor
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.
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