Schwangerschaft 27. Juni 2026 Dr. med. Marcus Fischdick

Welche Vitamine braucht man in der Schwangerschaft wirklich?

Sobald eine Schwangerschaft beginnt, verändert sich der Körper auf beeindruckende Weise. Damit sich Ihr Baby gesund entwickeln kann, steigt der Bedarf an vielen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Gleichzeitig kursieren zahlreiche Empfehlungen und Werbeversprechen rund um Nahrungsergänzungsmittel. Das sorgt häufig für Unsicherheit.

Als Frauenarzt werde ich regelmäßig gefragt: Welche Vitamine sind in der Schwangerschaft wirklich wichtig? Muss jede Schwangere Nahrungsergänzungsmittel einnehmen? Und kann man auch zu viele Vitamine zu sich nehmen?

Die gute Nachricht: Eine ausgewogene Ernährung bleibt die wichtigste Grundlage. Einige Nährstoffe benötigen jedoch besondere Aufmerksamkeit.

Warum steigt der Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft versorgt Ihr Körper nicht nur Sie selbst, sondern gleichzeitig auch Ihr heranwachsendes Baby. Für Zellteilung, Organentwicklung, Knochenaufbau und die Entwicklung des Nervensystems werden zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe benötigt.

Dabei bedeutet ein erhöhter Bedarf nicht automatisch, dass jede Schwangere viele Präparate einnehmen muss. Vieles kann weiterhin über eine abwechslungsreiche Ernährung aufgenommen werden. Bei einigen Nährstoffen empfehlen medizinische Fachgesellschaften jedoch eine gezielte Ergänzung.

Folsäure – der wichtigste Begleiter bereits vor der Schwangerschaft

Wenn es einen Nährstoff gibt, den nahezu jede Frau mit Kinderwunsch kennen sollte, dann ist es Folsäure.

Folat wird für die Zellteilung und die Entwicklung des Nervensystems benötigt. Besonders in den ersten Schwangerschaftswochen spielt es eine entscheidende Rolle.

Ein Mangel kann das Risiko für sogenannte Neuralrohrdefekte erhöhen, beispielsweise einen offenen Rücken (Spina bifida).

Deshalb empfehlen Fachgesellschaften bereits vor einer geplanten Schwangerschaft die tägliche Einnahme von 400 Mikrogramm Folsäure, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung.

Jod – unverzichtbar für Mutter und Kind

Auch Jod gehört zu den Nährstoffen, auf die wir in der Schwangerschaft besonders achten.

Es wird für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt und unterstützt unter anderem:

  • das Wachstum des Babys
  • die Entwicklung des Gehirns
  • die Entwicklung des Nervensystems
  • die Organentwicklung

Da Deutschland weiterhin als Jodmangelgebiet gilt und viele Frauen ihren Bedarf über die Ernährung nicht vollständig decken, wird häufig eine ergänzende Jodzufuhr empfohlen. Ob dies im individuellen Fall sinnvoll ist, sollte jedoch immer ärztlich besprochen werden.

Eisen – nur bei tatsächlichem Bedarf ergänzen

Der Eisenbedarf steigt während der Schwangerschaft deutlich an.

Dennoch gilt: Nicht jede Schwangere benötigt automatisch Eisenpräparate.

Bei den Vorsorgeuntersuchungen werden regelmäßig Blutwerte kontrolliert. Erst wenn sich Hinweise auf einen Eisenmangel ergeben, ist eine gezielte Behandlung sinnvoll.

Eine unnötige Eiseneinnahme kann Nebenwirkungen wie Verstopfung oder Magenbeschwerden verursachen.

Vitamin D – nicht jede Frau ist optimal versorgt

Vitamin D unterstützt unter anderem:

  • den Knochenstoffwechsel
  • den Calciumhaushalt
  • das Immunsystem

Gerade in unseren Breitengraden kommt eine Unterversorgung häufiger vor. Ob tatsächlich ein Mangel besteht und eine Ergänzung notwendig ist, sollte jedoch individuell beurteilt werden.

DHA – wichtig für Gehirn und Augenentwicklung

Die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Gehirns und der Augen des ungeborenen Kindes.

Besonders Frauen, die wenig oder keinen Fisch essen, sollten ihren Bedarf gemeinsam mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt besprechen.

Weitere wichtige Vitamine und Mineralstoffe

Neben Folsäure, Jod, Eisen und DHA benötigen Schwangere unter anderem auch:

Vitamin B12
Vitamin B6
Vitamin C
Calcium
Magnesium
Zink

Diese Nährstoffe unterstützen unter anderem: den Energiestoffwechsel, das Immunsystem, die Blutbildung, die Knochenentwicklung und die Muskelfunktion.

Bei einer ausgewogenen Ernährung können viele dieser Vitamine ausreichend aufgenommen werden.

Kann man auch zu viele Vitamine einnehmen?

Ja.

Viele Schwangere gehen nach dem Motto „Viel hilft viel" vor. Das ist jedoch nicht sinnvoll.

Vor allem fettlösliche Vitamine – beispielsweise Vitamin D oder Vitamin A – können bei einer Überdosierung gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Deshalb empfehle ich grundsätzlich, Nahrungsergänzungsmittel nicht eigenständig einzunehmen, sondern gemeinsam mit der betreuenden Frauenarztpraxis zu entscheiden, welche Präparate tatsächlich notwendig sind.

Welche Lebensmittel liefern wichtige Vitamine?

Eine abwechslungsreiche Ernährung bleibt auch während der Schwangerschaft die beste Grundlage.

Besonders empfehlenswert sind:

  • frisches Gemüse
  • Obst
  • Vollkornprodukte
  • Milchprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • hochwertige Pflanzenöle
  • Seefisch (unter Beachtung der aktuellen Ernährungsempfehlungen)

Je vielfältiger die Ernährung, desto besser lassen sich viele Vitamine und Mineralstoffe natürlich aufnehmen.

Mein Rat als Frauenarzt

Vitamine spielen während der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Dennoch bedeutet eine Schwangerschaft nicht automatisch, dass möglichst viele Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden sollten.

Aus meiner Sicht ist eine individuelle Betreuung entscheidend. Blutwerte, Ernährungsgewohnheiten und bestehende Vorerkrankungen unterscheiden sich von Frau zu Frau. Deshalb sollte jede Supplementierung auf die persönliche Situation abgestimmt werden.

Mit einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen und einer gezielten Ergänzung der wirklich notwendigen Nährstoffe schaffen Sie die besten Voraussetzungen für eine gesunde Schwangerschaft.

Häufige Fragen zu Vitaminen in der Schwangerschaft

Über den Autor

Dr. med. Marcus Fischdick

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.

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