Für die meisten werdenden Eltern gehört die Schwangerschaft zu den schönsten Zeiten ihres Lebens. Umso größer ist der Schock, wenn bei einer Ultraschalluntersuchung oder einem nichtinvasiven Pränataltest (NIPT) plötzlich eine Auffälligkeit festgestellt wird.
Von einem Moment auf den anderen entstehen Ängste, Unsicherheit und unzählige Fragen. Viele Eltern fühlen sich, als würde ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen.
Als Frauenarzt ist es mir wichtig, Ihnen in einer solchen Situation eines zu sagen: Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.
Der nichtinvasive Pränataltest (NIPT) ist eine Blutuntersuchung der Mutter, mit der Hinweise auf bestimmte Chromosomenveränderungen beim ungeborenen Kind gewonnen werden können.
Dazu gehören unter anderem:
T21
Trisomie 21
(Down-Syndrom)
T18
Trisomie 18
T13
Trisomie 13
Der Test liefert keine endgültige Diagnose. Er zeigt lediglich an, ob ein erhöhtes Risiko besteht. Auffällige Ergebnisse müssen daher durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.
Ein besonders wichtiger Punkt wird häufig übersehen:
Weder ein auffälliger NIPT noch ein auffälliger Ultraschall bedeuten automatisch, dass Ihr Kind tatsächlich betroffen ist.
In vielen Fällen folgen weitere Untersuchungen, um den Befund genauer einzuordnen. Erst danach lässt sich beurteilen, ob tatsächlich eine Erkrankung oder Chromosomenveränderung vorliegt.
Deshalb ist es wichtig, zunächst Ruhe zu bewahren und keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen.
Viele Eltern berichten, dass sie sich nach einem auffälligen Befund wie gelähmt fühlen.
Plötzlich stehen Fragen im Raum, mit denen sich vorher kaum jemand beschäftigt hat:
Es gibt auf viele dieser Fragen keine einfachen Antworten. Und genau deshalb brauchen Eltern Zeit, verständliche Informationen und eine einfühlsame Begleitung.
Pränataldiagnostik endet nicht mit einem Untersuchungsergebnis. Ebenso wichtig ist die ausführliche Beratung.
Dazu gehört unter anderem:
Gerade wenn schwerwiegende Diagnosen im Raum stehen, sollten Eltern niemals unter Zeitdruck Entscheidungen treffen müssen.
Jede Familie erlebt eine solche Situation anders.
Manche Eltern entscheiden sich dafür, die Schwangerschaft fortzuführen und sich bestmöglich auf das Leben mit einem besonderen Kind vorzubereiten.
Andere sehen sich aus persönlichen, medizinischen oder familiären Gründen nicht in der Lage, diesen Weg zu gehen.
Als Frauenarzt sehe ich meine Aufgabe nicht darin, Entscheidungen vorzugeben. Meine Aufgabe ist es, medizinisch fundiert zu beraten, offene Fragen ehrlich zu beantworten und Eltern auf ihrem individuellen Weg zu begleiten.
Die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik haben sich in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Das ist ein großer medizinischer Fortschritt. Gleichzeitig bedeutet mehr Diagnostik auch mehr Verantwortung.
Deshalb sollte jede werdende Mutter bereits vor einer Untersuchung wissen:
Nur wer diese Fragen kennt, kann eine informierte Entscheidung treffen.
Neben der medizinischen Betreuung gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Unterstützung.
Gerade in den ersten Tagen nach einer auffälligen Diagnose empfinden viele Eltern diese Unterstützung als große Hilfe.
Ein auffälliger Befund während der Schwangerschaft gehört zu den belastendsten Situationen, die werdende Eltern erleben können.
Deshalb wünsche ich mir, dass sich niemand unter Druck gesetzt fühlt oder vorschnelle Entscheidungen trifft.
Nehmen Sie sich Zeit. Stellen Sie alle Fragen, die Ihnen wichtig sind. Holen Sie sich bei Bedarf eine zweite medizinische Meinung ein und nutzen Sie die vorhandenen Beratungsangebote.
Ganz gleich, welchen Weg Sie gemeinsam als Familie gehen – Sie verdienen eine respektvolle, verständliche und einfühlsame Begleitung.
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Nein. Der NIPT ist ein Suchtest und keine endgültige Diagnose. Auffällige Ergebnisse müssen durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.
Je nach Befund können weitere Ultraschalluntersuchungen, genetische Beratungen oder spezielle diagnostische Verfahren empfohlen werden.
Nein. Die Teilnahme ist freiwillig. Vor der Untersuchung sollte immer ein ausführliches ärztliches Beratungsgespräch stattfinden.
Ja. Gerade bei komplexen oder schwerwiegenden Befunden kann eine zweite fachärztliche Einschätzung sinnvoll sein und zusätzliche Sicherheit geben.
Über den Autor
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.
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