Wer schwanger ist oder eine Schwangerschaft plant, möchte sich darauf verlassen können, bei Fragen oder Beschwerden schnell einen Termin in der Frauenarztpraxis zu erhalten. Genau dieser niedrigschwellige Zugang zur frauenärztlichen Versorgung könnte künftig schwieriger werden. Hintergrund ist ein Gesetzentwurf, der derzeit intensiv diskutiert wird.
Als Frauenarzt beobachte ich diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Noch ist nichts beschlossen. Dennoch halte ich es für wichtig, Patientinnen frühzeitig darüber zu informieren, welche Auswirkungen die geplanten Änderungen auf die Versorgung haben könnten.
Nach dem aktuellen Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes sollen künftig auch bestimmte Vorsorgeleistungen stärker budgetiert werden.
Ein Budget bedeutet vereinfacht gesagt: Für bestimmte Leistungen steht einer Praxis nur ein begrenztes finanzielles Volumen zur Verfügung.
Bislang waren wichtige Bereiche der frauenärztlichen Vorsorge von solchen Ausgabenobergrenzen weitgehend ausgenommen. Nach den aktuellen Planungen könnte sich das ändern.
Schwangerschaften verlaufen nicht nach einem festen Zeitplan.
In vielen Fällen sind zusätzliche Untersuchungen notwendig, beispielsweise wenn:
Solche Termine lassen sich nicht Monate im Voraus planen. Sie müssen häufig kurzfristig stattfinden.
Genau deshalb befürchten viele Frauenärztinnen und Frauenärzte, dass starre Budgets die Versorgung erschweren könnten.
Sollten die geplanten Regelungen umgesetzt werden, diskutieren Fachverbände unter anderem folgende mögliche Auswirkungen:
Ob und in welchem Umfang diese Auswirkungen tatsächlich eintreten würden, lässt sich derzeit noch nicht sicher vorhersagen.
Eine Schwangerschaft ist ein dynamischer Prozess.
Viele Untersuchungen finden zu ganz bestimmten Zeitpunkten statt, weil sie genau dann den größten medizinischen Nutzen haben.
Dazu gehören beispielsweise:
Wenn Auffälligkeiten auftreten, sind oft kurzfristige Zusatztermine notwendig.
Aus medizinischer Sicht sollte die Schwangerenvorsorge deshalb möglichst flexibel bleiben.
Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte setzt sich dafür ein, dass:
Aus Sicht vieler Fachärztinnen und Fachärzte ist eine verlässliche Vorsorge ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung von Frauen.
Im Moment ändert sich für Schwangere zunächst nichts.
Die derzeit diskutierten Maßnahmen befinden sich noch im politischen Verfahren. Welche Regelungen am Ende tatsächlich beschlossen werden und wie sie umgesetzt würden, bleibt abzuwarten.
Wer aktuell schwanger ist, sollte deshalb weiterhin alle empfohlenen Vorsorgetermine wahrnehmen und sich bei Beschwerden frühzeitig an seine Frauenarztpraxis wenden.
Ich erlebe täglich, wie wichtig eine gut erreichbare frauenärztliche Betreuung für Schwangere ist.
Viele Situationen lassen sich nicht planen. Blutungen, Schmerzen oder auffällige Befunde brauchen manchmal innerhalb weniger Stunden eine Abklärung. Gerade in solchen Momenten gibt eine erreichbare Frauenarztpraxis Sicherheit.
Deshalb wünsche ich mir, dass zukünftige politische Entscheidungen vor allem eines berücksichtigen: Schwangerschaften lassen sich nicht budgetieren. Jede werdende Mutter sollte auch künftig die medizinische Betreuung erhalten, die sie benötigt – unabhängig davon, wann sie diese benötigt.
Nein. Derzeit handelt es sich um einen Gesetzentwurf, über den noch beraten wird.
Aktuell nicht. Welche Auswirkungen die geplanten Änderungen künftig haben könnten, lässt sich derzeit noch nicht sicher beurteilen.
Bestimmte Beschwerden oder auffällige Befunde müssen oft zeitnah abgeklärt werden, um Mutter und Kind bestmöglich zu versorgen.
Nein. Nehmen Sie alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wie geplant wahr und wenden Sie sich bei Beschwerden immer frühzeitig an Ihre Frauenarztpraxis.
Über den Autor
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.
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