Die bakterielle Vaginose ist keine klassische Entzündung oder Infektion, sondern ein Ungleichgewicht der natürlichen Scheidenflora. Die „guten" Laktobazillen werden von anderen Bakterien verdrängt – mit typischen Beschwerden wie Geruchsveränderung und Ausfluss.
Viele Frauen sind verunsichert, wenn sie plötzlich einen fischartigen Geruch bemerken. Die gute Nachricht: Bakterielle Vaginose ist gut behandelbar – aber wichtig ist die richtige Diagnose.
Warum ärztliche Abklärung? Die Symptome ähneln manchmal anderen Infektionen. Eine sichere Diagnose durch Abstrich und pH-Messung verhindert falsche Behandlungen.
Die Beschwerden unterscheiden sich deutlich von einem Scheidenpilz
Der Ausfluss ist meist dünn, milchig-gräulich und vermehrt. Anders als beim Pilz ist er nicht krümelig, sondern wässrig.
Das auffälligste Symptom: Ein unangenehmer, fischiger Geruch – besonders nach dem Geschlechtsverkehr oder während der Periode.
Manche Frauen spüren ein leichtes Brennen beim Wasserlassen oder eine leichte Reizung im Intimbereich – aber meist weniger stark als bei einem Pilz.
Ein wichtiger Unterschied zum Pilz: Juckreiz ist bei bakterieller Vaginose eher selten oder nur leicht ausgeprägt.
Hinweis: Etwa 50% der Frauen mit bakterieller Vaginose haben keine oder nur leichte Beschwerden. Die Diagnose erfolgt oft zufällig bei einer Routineuntersuchung.
Warum die Unterscheidung wichtig ist: Antimykotika (gegen Pilze) helfen nicht bei bakterieller Vaginose – und Antibiotika nicht bei Pilz. Eine falsche Selbstbehandlung kann die Beschwerden verschlimmern.
Eine gesunde Scheide hat einen pH-Wert von 3,8-4,5 (sauer). Die Laktobazillen produzieren Milchsäure und halten den pH-Wert niedrig. Steigt der pH-Wert an (wird basischer), können sich andere Bakterien vermehren – es entsteht ein Ungleichgewicht.
Geschlechtsverkehr mit neuen Partnern kann die Scheidenflora verändern. Sperma hat einen alkalischen pH-Wert und kann das Milieu vorübergehend verschieben. Kondome können das Risiko verringern.
Östrogen beeinflusst die Scheidenflora. Bei niedrigem Östrogenspiegel (z.B. nach den Wechseljahren, während der Stillzeit) sind Laktobazillen reduziert – das Risiko für Vaginose steigt.
Während der Schwangerschaft ist das Risiko für bakterielle Vaginose erhöht. Wichtig: Unbehandelte Vaginose kann das Risiko für Frühgeburten erhöhen – daher immer ärztlich abklären lassen!
Antibiotika können die schützenden Laktobazillen in der Scheide zerstören – ähnlich wie bei Pilzinfektionen. Nach Antibiotika-Gabe ist die Scheidenflora anfälliger für Dysbalancen.
Die Therapie zielt darauf ab, das bakterielle Gleichgewicht wiederherzustellen
Die Standardbehandlung sind Antibiotika, die gezielt gegen die „schlechten" Bakterien wirken – meist Metronidazol oder Clindamycin. Sie werden entweder als Tabletten eingenommen oder als Vaginalcreme/Gel aufgetragen.
Wichtig: Die Behandlung sollte vollständig durchgeführt werden, auch wenn die Symptome schon früher verschwinden. Sonst besteht die Gefahr eines Rückfalls.
Nach der Antibiotika-Therapie können Milchsäurebakterien (Laktobazillen) helfen, die Scheidenflora wieder aufzubauen. Diese gibt es als Vaginaltabletten oder Kapseln zum Einnehmen. Studien zeigen gemischte Ergebnisse – aber viele Frauen profitieren davon.
Rezeptfreie „Scheidenflora-Produkte" gibt es viele – aber ohne sichere Diagnose können Sie mehr schaden als helfen:
Etwa 30% der Frauen erleben nach erfolgreicher Behandlung einen Rückfall. Bei wiederkehrenden Episoden (> 3x pro Jahr) ist eine Langzeittherapie oder andere Strategie nötig:
In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst nehme ich mir Zeit für eine gründliche Diagnostik – mit Abstrich, pH-Messung und Mikroskopie.
Termin anfragenEine präzise Diagnose ist die Grundlage für die richtige Behandlung
Ich frage nach Ihren Beschwerden (Geruch, Ausfluss, Juckreiz?), deren Dauer und möglichen Auslösern (neue Partner, Antibiotika, Stress). Auch frühere Episoden sind relevant.
Bei der Untersuchung beurteile ich den Ausfluss (Farbe, Konsistenz) und nehme einen Abstrich von der Scheidenwand. Dieser wird mikroskopiert oder ins Labor geschickt.
Mit einem einfachen pH-Teststreifen messe ich den vaginalen pH-Wert. Bei bakterieller Vaginose liegt er meist über 4,5 (basischer). Das ist ein wichtiger Hinweis – aber keine sichere Diagnose allein.
In meiner Praxis kann ich den Abstrich direkt mikroskopieren. Unter dem Mikroskop erkenne ich typische „Clue Cells" (Schlüsselzellen) – das sind Zellen, an denen Bakterien haften. Außerdem sehe ich, ob Laktobazillen vorhanden sind.
Je nach Befund bespreche ich mit Ihnen die passende Behandlung: Antibiotika (lokal oder systemisch), probiotische Unterstützung oder bei wiederkehrenden Episoden ein Langzeitkonzept. Auch Risikofaktoren (Rauchen, Hygiene) werden angesprochen.
Ohne Abstrich und Mikroskopie können Sie nicht sicher sein, ob es wirklich eine bakterielle Vaginose ist – oder doch ein Pilz, Trichomonaden oder eine andere Infektion. Jede braucht eine andere Behandlung.
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick
Medizinischer Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung oder Beratung. Für eine individuelle Diagnose und Therapie vereinbaren Sie bitte einen Termin in meiner Praxis.
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